Weinpiraten - Logbuch

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Apr 17 / 10:18pm

Palmsonntag oder Gedanken zum Fest

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Palmsonntag war für uns als kleine Weinpiraten schon immer der interessantere Feiertag

gewesen....  im Vergleich zum Ostersonntag eine Woche darauf.

Palmsonntag, das war von Kindesbeinen an ein Aufbruch in eine neue Zeit.

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An Palmsonntag kniete der Frühling regelmäßig spürbar und riechbar in den Startlöchern.

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Die Aussicht auf das Tragen von kurzen Hosen wurde jeden Tag wahrscheinlicher.

Damit kam die Erinnerung an die vielgeliebten .. heute sagt man dazu "outdooractivities"

wie

- "Reifenschlagen"..d.h. Fassreifen, mit vollem Karacho.. auch mal mit Kollateralschaden,

- "Dänzler" spielen, d.h. Holzkreisel stundenlang zum Tanzen bringen,

- "Klickerten" spielen.. "Murmeln", den Vorläufern der heutigen Mengenlehre, bei dem man

   spielerisch seine gewonnenen Schätze zusammenrechnen lernte.

Palmsonntag hatte für uns Kinder eine nachvollziehbare kirchliche Liturgie,

im Gegensatz zur Karwoche, die daran anschloss..

Da war ja so ein Jesus in Jerusalem eingezogen...auf einem Esel..

..cool..würde man heute sagen.

Seine Anhänger jubelten ihm zu und winkten mit Palmwedeln...

typisch für die Fans im nahen Osten..

Alte Bilder zeigten eine Art Umzug mit viel Grün.

Das hatte was..das kannten wir ..

..von den Dorffesten, bei denen wir halfen, mannshhohes, frisches Buchengrün

im Spalier auf beide Seiten der Hauptstraße zu stecken,

damit der Festumzug mit Blasmusik und Trallalla einen feierlichen Rahmen fand.

Palmsonntag erzeugte bei uns Kindern eine ähnlich fröhliche Feierlichkeit.

War es durch diese besondere Zeremonie der Segnung der Palmsträuße?

Da durfte jeder ein begreifbares und mit Schutzfunktion versehenes Kleinod

aus dem Hochamt mitnehmen.

In unseren Breitengraden waren es diese einfachen Buchsbaum-Sträuße.

Die mit Weihwasser gesegneten Buchs-Palmsträuße wurden ergriffen

nach Hause gebracht und verteilten sich im ganzen Dorf.

Sie ersetzten die alten, ergrauten und vertrockneten Palmsträuße,

die in den Häusern und Wohnungen hinter jedes Kreuz gesteckt waren,

um Feuer und anderes Unheil abzuwenden.

Gab es alte oder kranken Leute in der Nachbarschaft, wurden die Buch-Palmsträuße

geteilt und von uns Kindern dorthin gebracht,

damit alle am Segen und Schutz teilhatten.

......"Sozial-Kitt" nennt man das heute.

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Palmsonntag, das war für uns Kinder damals logisch.

Anders die darauf folgende Karwoche mit ihren verstörenden Geschichten.

Wir Kinder hatten uns damals gerade zu sogenannten "Banden" zusammengeschlossen.

Das hatte nichts Schlimmes und keinen kriminellen Beigeschmack wie heute.

Gruppen, die miteinander oder gegeneineinander spielten, Verstecke im Wald bauten

und diese Geheimnisse teilten... "Teamfähigkeit trainieren" heißt so etwas heute.

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Diese Leidensgeschichte Jesu war deshalb für uns nicht ganz nachvollziehbar.

Wir hätten doch nie einen Anführer von uns im Stich gelassen,

wir hätten ihn doch nicht verleugnet und

wir wären doch nicht im Weinberg eingeschlafen, als es eng wurde...

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Und was für ein Verräter der Judas war, wussten wir sofort, als unser gerade

entstehender Sinn für Gerechtigkeit gegen sein Tun rebellierte.

Denn das, was der Judas gemacht hatte, war unter uns Bandenmitgliedern unvorstellbar

und der Grundstein für die weitere Eskalation unserer kindlichen Gefühle:

- durch die Kreuzigung Jesu...wie barbarisch..

- dann hieß es, die Glocken seien nach Rom geflogen...wie geht das denn..

- das verordnete "Traurig-sein-müssen" an den Kar - Tagen... schwierig..

- die Auferstehung Jesu am Ostersonntag morgen... unglaublich.

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Nein, diese Ostertage waren bis auf die Sache mit uns "Klapperjungen" für uns

Kinder nicht wirklich erfassbar und

die Suche nach Osternestern und Ostereiern hat das eher noch verstärkt.

Und bis heute stellt das Ostergeschehen selbst für christlich erzogene Weinpiraten

eine große Glaubensanstrengung dar.

Palmsonntag dagegen, das war und ist nachvollziehbarer Glaube.

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Palmsonntag.. das war und ist ein Sonntag der guten Gefühle...

..immer wieder..

...Buchs hat so eigenartig harte, wie mit Bohnerwachs behandelte Blätter...

...Man braucht nur ein Blättchen davon zu brechen und daran zu riechen...

...Und alle Kindheitserinnerungen sind sofort wieder präsent...

...Es ist noch nicht so lange her....

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Geschlossen & gesiegelt

Die Weinpiraten 

Aprilvollmond 

im Jahre des Herrn 2011 

50°nördl.Br./6°90'12''östl.L.